Von Katastrophen, ganz ohne Feuer

Von Katastrophen ganz ohne Feuer

*NEUENSTADT Retten, löschen, bergen, schützen: Großübung beim
Feuerwehrfest – Lob für den Ausbildungsstand*

Von Waltraud Langer

Wegen einer Niesattacke reißt ein Autofahrer in der Schafgasse das Steuer herum und landet verkeilt zwischen Bäumen vor dem Flussbett der Brettach. Bei der Irrfahrt erfasst er einen Radfahrer, der daraufhin ins Wasser stürzt. Auf dem Mühlweg kommt ein Traktor mit Anhänger vorbei, bemerkt den Unfall und stoppt mit Vollbremsung. Der dicht hinter ihm fahrende Pkw fährt seitlich unter den Anhänger, wo er sich verkeilt.
Viel Gerät Dieses Szenario hat sich die Neuenstadter Feuerwehr für die Großübung anlässlich des Feuerwehrfestes ausgedacht. Eine Übung ganz ohne Feuer. „Es geht heute vor allem um technische Hilfeleistung, bei der alle unsere Abteilungen und viel Gerät im Einsatz sind“, sagt der oberste Neuenstadter Feuerwehrmann Hartmut Schaffroth. Mit dem Mikro flitzt er zwischen den beiden Einsatzorten, Brettachufer und Mühlweg hin und her
und erklärt den Zuschauern die Situation, mit der es die Feuerwehrleute bei der Übung zutun haben. „Jetzt geht der Alarm gleich los, vielleicht halten Sie den Kindern lieber die Ohren zu“, warnt er.
Wie jedes Jahr sind sehr viele kleine Jungs und Mädchen unter den Zuschauern. Mit großenAugen bestaunen sie die herbeirasenden Einsatzfahrzeuge. Der Pkw, der in den Anhänger gekracht ist, raucht gefährlich. Hier übernimmt die Besatzung eines HFL – eines Hilfeleistungslöschgruppenfahrzeugs – die Bekämpfung eines drohenden Brandes, während am Fluss auch hydraulisches Gerät zum Einsatz kommt. Ein Behälter auf dem Traktoranhänger ist leck geschlagen und verliert gefährlich grün aussehende Flüssigkeit.
Diese zu neutralisieren ist eine weitere Aufgabe der Feuerwehr. Hinzu kommt die
Erstversorgung der Insassen des schwer beschädigten Pkw unter Mithilfe des Roten Kreuzes. Um die Verletzten aus dem Wrack zu befreien, ist schweres Schneidegerät im
Einsatz. „Besonders bei Elektrofahrzeugen kann es für die Einsatzkräfte wegen der Stromkabel gefährlich werden“, erklärt Hartmut Schaffroth. Eine Gruppe Jungs beobachtet fasziniert, wie aus dem verunfallten Kombi ein Cabrio wird. Jakob und Finn, neun und acht Jahre alt, sind schon bei der Feuerwehr. Sie gehen in die Kindergruppe. Ben ist mit sechs Jahren noch zu jung, will aber auch hin, wenn er alt genug ist.
Erst geht man zur Übung, dann zum Fest, das habe er seit seiner Kindheit so mitbekommen, erzählt Markus Schuster, Pressesprecher der Neuenstadter Wehr. Vom Übungsgelände im Stadtpark ist es nicht weit zum Feuerwehrhaus, wo die Küchenbrigade mit hausgemachten
Kuchen auf die Besucher wartet. Nach und nach treffen auch die Feuerwehrleute ein. Ein bisschen geschafft sehen sie aus, kein Wunder nach eineinhalb Stunden Übung und bei mitunter 30 bis 40 Kilo Marschgepäck.
Manöverkritik Vor der zur Feuerwehr-Bar umgestalteten Fahrzeughalle machen Hartmut Schaffroth und Abteilungskommandant Andreas Küstner Manöverkritik und bedanken sich für den Einsatz. „Die Übung zeigte, dass unsere Feuerwehrmänner einen sehr guten Ausbildungsstand haben“, lobt Bürgermeister Norbert Heuser. Danach steckt er dem für die Kleiderkammer zuständigen Feuerwehrmann Klaus Illig die Ehrennadel des Kreisfeuerwehrverbandes an. Weiter ging es mit dem Programm am Sonntag: Besucher
konnten bei Vorführungen der Jugendfeuerwehr und der Abteilungen erleben, wie die
Wehr für ihre Einsätze trainiert.